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Verhalten und dessen Bedeutung

Wie kann ich das Verhalten meiner Renner erklären?
(Wenn Ihr wieder nach oben wollt, einfach auf die Tatze drücken.)

Zu 1

Man unterscheidet hier in Futterbeisser, Angstbeisser, Revierbeisser oder plötzliche Verhaltensänderung.


Futterbeisser

Füttert man die Renner öfters aus der Hand, dann kann es vorkommen, dass sie einen in die Hand zwicken, wenn es kein Futter gibt. Normalerweise testen sie dabei nur ob die Hand essbar ist.
Es tut allerdings nicht sehr weh, auch kommt es nicht zu Blutungen.

Man sollte das Futter demnächst nur noch in die Mitte der Hand legen und es nicht mit den Fingerspitzen reichen. Die nehmen nämlich den Geruch an und laden schnell zu einer Verwechslung ein. Auch könnt ihr die Hand dabei ruhig etwas hochnehmen, so dass sie diese als Lebewesen erkennen können.

Bei salzigen Fingern ist es eher ein knabbern und lecken. Dies deutet auf Salz- und Mineralienmangel hin. Ihr könnt euch die Hände waschen, das würde für den Moment helfen, aber besser ist es einen Mineralienstein in den Käfig zu legen.


Angstbeisser

Du wirst einfach so in die Hand gebissen, die Maus will flüchten?

Dieses Verhalten zeigt Dir, dass die Mäuse schlechte Erfahrung mit Menschen gemacht haben. Entweder in der Zoohandlung öfters am Schwanz hochgehoben oder zu fest gehalten worden. Vielleicht war es auch mal der Besuch, der es ärgerte, als sie noch sehr jung waren.

Hier brauchst Du was Zeit.
Rede mit dem Tier ... egal was, lies ihm was vor. Wichtig ist es, dass Du ruhig mit ihm redest, nicht laut wirst oder gar schimpfst. Das Tier muss sich an deine Stimme gewöhnen und erstmal das Vertrauen zurückgewinnen.
Es kann auch helfen, wenn du mit ihm redest und ihm ein paar Leckerlies wie z.b. Sonnenblumenkerne mit der Hand reichst.
Verlange keine Wunder ... hier braucht man Geduld.

Es gibt auch einen alten Kindertrick. Nimm ein altes Baumwoll-T-Shirt trage es einen Tag und lege dann Stoffreste davon als Nistmaterial mit in den Käfig. So gewöhnt sich das Tier schneller an deinen Geruch und sieht es weniger als Gefahr an.

Und noch was für unsere Aquariumbesitzer, versucht nicht direkt von oben und auch nicht zu schnell hineinzugreifen. In der Natur sind Raubvögel nämlich ihre grössten Feinde. Langsam und in einem leichten Winkel, am besten dabei ruhig mit den Renner redend beugt Fluchtreaktionen meist vor.


Revierbeisser

Rennmäuse sind ja bekanntermassen Revierverteidiger. Allerdings ist es meinen Zweibeinern noch nie passiert, dass sie selbst gebissen wurden als sie nur ihre Hand reingehalten haben. Dieses Verhalten ist eher bei bestimmten Hamsterrassen beobachtet worden.

Zu richtigen Revierbeissern werden Renner aber dennoch!
Das ausgeprägte Revierverhalten zeigen sie gegenüber allen anderen Kleintieren. Wenn man gruppenfremde Renner oder andere Nager hinzusetzt, kommt es zu erbitterten Auseinandersetzungen die meist zum Tode eines einzelnen führen.

Zu einem Knäuel verbissene Renner sollte man nur mit Handschuen trennen. Sollte es öfters zu solchen Beissereien kommen, meist ab der Geschlechtsfähigkeit kann man es nur noch mit der Vergesellschaftung versuchen, ansonsten müssen sie getrennt werden und bleiben.


Plötzliche Verhaltensänderung

Auf einmal beisst dich der Renner, während du ihn in der Hand hälst oder über bestimmte Stellen streichst.
Dies ist meist ein Anzeichen für innere oder äussere Verletzungen.
Bitte umgehend einen Arzt aufsuchen.

Zu 2

Genau wie wir Katzen uns beschnuppern, so tun es die Rennmäuse.
Es dient zur Begrüssung und zum allgemeinen Sozialverhalten.
Egal was passiert, ob beim spielen, scharren, rumtollen oder auch nur im vorübergehen ... ein Natzenstubser ist immer drin.
Auch können die Renner durch den Duft ihr Gegenüber einordnen, denn die besonders beim Beschnuppern am Bauch (dort liegt die Duftdrüse) können die Renner feststellen ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Ist ein Weibchen läufig, so beschnuppert das Männchen dieses äusserst erregt am Hinterteil und das Paarungsverhalten wird unausweichlich.

Nehmt ihr einen Renner für etwas längere Zeit aus dem Käfig wird die Begrüssung (beschnuppern) umso heftiger. Dabei sieht man dann Anhalt der Körperstellung, die Rangfolge in der Gruppe. Rangniedrigere Tiere schnuppern von unten zur Nase hin.

Zu 3

Das Fressverhalten ist ähnlich wie bei Eichhörnchen. Die Renner beschnuppern erst das Futter, nehmen es dann zwischen die Vorderpfoten und fressen es dann auf den Hinterbeinen stehend.
Gibt es ein Leckerchen, dann huschen sie schnell in eine "sichere" Ecke und wenden sich so ab, dass ja kein anderer ihnen das Leckerchen wegnehmen kann.
Ausnahme ist da nur das Alpha-Tier. Es nimmt sich was es möchte.

Hat man die Renner mal unregelmässig gefüttert, sei es durch Urlaub oder Stress auf der Arbeit (Aussendienst), dann kommt das sogenannte "Hamstern" durch. Sie nehmen das angebotene Futter und verstecken es im Käfig um daraufhin direkt wieder neues zu holen.

Zu 4

Langeweile? Wie soll denn bei den Rackern hier Langeweile aufkommen?

OK, dann überlegen wir mal ... müssen sie sich ein Höhlensystem bauen wie in der ferein Natur ... wohl eher nicht, wir geben ihnen einen Holzhütte üder Blumentopf, etc. Müssen sie Futter suchen, oder erarbeiten ... auch nicht, wir stellen es ihnen hin.
Mit dem Trinken sieht es wohl genauso aus.
Immer vor Feinden in Acht nehmen, und ständig Fluchtbereit sein fällt auch weg.
Also doch recht viel ... da muss man etwas tun.
Es gehört nicht nur das richtige Futter zur Pflege sondern auch eine ausgewogene Beschäftigung.

Aber was kann man den kleinen denn alles anbieten?
Ich habe hier mal ein paar Vorschläge gemacht:


Äste und Zweige:

Sie können zum einen als Klettergerüst genutzt werden, zum anderen lassen Rennmäuse ihren Nagetrieb mit Freude dran aus.


Auslauf:

Um den Bewegungsdrang der Renner etwas zu stillen, kann man sie unter Aufsicht öfters in der Wohnung laufen lassen. Hierfür gibt es im Handel bereits fertige ausklappbare Rennställe. Aber immer schön dabei bleiben und eventuelle Mitbewohner (Meine Kollegen) aussperren.


Futter verstecken:

In der ihrer Heimat, der Steppe, streifen die Renner oft stundenlang durch die Gegend auf der Suche nach Futter.
Warum also immer das Futter an der gleichen Stelle platzieren.
Jetzt bitte nicht nur den Napf von rechts nach links setzen.

Wickelt zum Beispiel eine Nuss in Papier ein, oder hängt die sogenannten Vogelstangen in den Käfig, so dass sie sich zumindest was strecken müssen um an ihre Nahrung zu kommen. Oder wenn ihr in Eile seit, streut das Futter mit in die Einstreu, so müssen sie suchen.


Kriechröhren:

Da Rennmäuse in freier Natur auch Höhlensystem graben, lieben sie es durch Holzröhren zu rennen.
Man kann diese ausgehöhlten Holzstämme mit mehreren Öffnungen im Handel erwerben oder mit etwas Geschick selber bauen.
Unser Nachwuchs war bisher immer davon angetan.


Laufrad:

Das berühmte Laufrad ... unser erstes war eins aus Eisen mit Gitterstäben. Pluspunkt für Eisen, Abzug für die Lücken dazwischen.

Es gibt im Handel Laufräder aus Eisen mit Hanfbespannung, damit die Renner sich nicht ihre Beinchen brechen, wenn sie mal daneben treten. Kunststoff ist denkbar ungeeignet, da es angeknabbert wird und die Partikel verschluckt werden können.
Eine Mindestgröße von 20 cm Durchmesser müssen es sein, da sonst Haltungsschäden auftauchen können.
UND es hört sich zwar was komisch an, setzt das Rad auf eine Steinplatte. Zum einen ist die direkte Geräuschübertragung auf den Käfig dadurch gedämpft, zum anderen scharren die Renner gerne darunter und so können sie ihre Krallen auch etwas abwetzen.


Nistmaterial:

Stroh, Heu, unbeschriebenes zerknülltes Papier, grobe Einstreu oder unparfumierte Taschentücher werden stets gerne genommen, zerkleinert und für den Nestbau zu verwendet. Bei Stroh sitzen sie teilweise noch Tage danach in ihrem Nest und zerteilen die Halme immer und immer wieder.


Papprollen:

Küchenrollen und Klopapierrollen eigenen sich besonders.
Achtet aber darauf, dass nicht viele Kleberrückstände dran sind.
Die Renner laufen dadurch, scharren darin und zerlegen sie in kleinste Einzelteile. Teilweise von beiden Seiten.
Obwohl es teilweise so aussieht, sie fressen sie nicht.

Zu 5

Jede Rennmaus hat auf der Bauchunterseite eine Duftdrüse die eine für jede Maus individuelle Duftnote von sich gibt, zur Wiedererkennung und Reviermakierung. Die Renner laufen durch den ganzen Käfig und markieren die Wege, Einrichtung und sogar auch Partner was soviel sagt, dass sie denjenigen in der Sippe akzeptieren.

Gerade wenn der Käfig frisch gereinigt wurde kann man dies des öfteren beobachten, wie sie ihren Bauch auf den Boden drücken um mittels des Duftsecrets diese Stelle zu markieren.

Zu 6


Nagen ist für Rennmäuse man kann schon fast sagen lebenswichtig.
Da ihre Zähne ja ständig nachwachsen, ist es wichtig für die kleinen Nager, dass sie abgenutzt werden, da die ansonsten zu langen Zähne die Nahrungsaufnahme verhindern würden.

Verstärktes Gitternagen kann aber auch die Ursache sein, dass der Käfig zu eng ist, oder keine andere Beschäftigungsmöglichkeit vorhanden ist.

Zu 7

Nestbau heisst nicht direkt Nachwuchs ... wie auch wenn man gleichgeschlechtliche Renner hat ... oder hat sich die Zoohandlung vertan?! Nein, Renner bauen sich grundsätzlich ein Schlafnest, zum ruhen und kuscheln und natürlich auch für den Nachwuchs.
Dafür holen sie alles mögliche an weichem Nistmaterial heran.
Ob Gras, Heu oder die weiche Rinde von Ästen bearbeiten sie dafür.
Man kann auch Moos oder Tierhaare hinzu geben. Beim Moos sollte man wohl drauf auch geben, sofern man es im Wald holt, dass man es mehr als 24 Stunden im Gefriefach lässt um z.B. Zecken abzutöten. Diese fallen nämlich nicht von Bäumen, wie so manche glauben, ts ts ts.

Zu 8


Generell ist das Scharren wie auch das Nagen eine natürliche Angewohnheit der Rennmäuse. Da aber sehr häufig dieses stereotype Scharren in der Käfigecke auffällt, was auch nach Forschungsergebnissen nichts mit der Kafiggröße zu tun hat, hat Vera Brückmann dieses Verhalten näher untersucht und ist zu folgendem Ergebnis gekommen:

Wenn Rennmäuse in einem Käfig mit einem Höhlensystem geboren werden und aufwachsen, taucht dieses stereotype Scharren im Käfigeck überhaupt nicht auf. Hingegen ist es sehr stark bei den Tieren zu sehen, die ohne Höhlensystem aufwachsen mussten. Es ist so, als wollten sie das fehlende Tunnelsystem nachbauen. Sie behalten diese in der Jugend angeeignete Stereotypie auch dann noch bei, wenn später ein Höhlensystem zur Verfügung gestellt wird!

Rennmäuse die in einem Höhlensystem groß geworden sind und denen man dieses wieder wegnahm, begannen auch diesem scharren. In Vera Brückmanns Artikel, den sie für die Ausgabe September 1997 des National Gerbil Society Journal schrieb (englisch) ist dies alles nochmal geschildert.

Also wenn ihr keinen Platz für ein Höhlensystem habt, dann spart nicht an Einstreu :-)

Zu 9

Unter Trommeln versteht man das sekundenschnell Hüpfen auf einer Stelle. Die Maus steht dabei aufrecht und hüpft dabei mehrmals auf einer Stelle. Der Laut der dabei erzeugt wird gleicht einem trommeln und dient dazu die anderen Mitbewohner vor einer Gefahr oder einem unbekannten Geräusch was als Raubtier eingeordent wird, zu warnen.

Diesem Verhalten kann man nur durch Ruhe beikommen. Mann sollte keine hektischen Bewegungen machen, am besten schon bevor man an den Käfig tritt mit den Möusen reden, damit sie anhand der Stimme erkennen um wen es sich handelt.

Oft kann man dieses Verhalten feststellen wenn der Käfig-Standort durch räumlichen Umzug verändert wird. Die Schallwellen treten nun in einem anderen Winkel auf, bzw. es gibt ganz neue unbekannte Geräusche an die sich die kleinen Nager gewöhnen müssen.

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